10.4.2008 - Fackellauf ...
...oder Spießrutenlauf fragt man sich mit Recht, wenn man die aktuellen Bilder des olympischen Fackellaufs aus den USA sieht. Dabei ist der Begriff "Spießrutenlauf" mit Bedacht gewählt. Denn so müssen sich die Fackelträger derzeit vorkommen. Wie in einer Situation, "in der jemand hintereinander von mehreren Menschen (...) aus einem einheitlichen Grund starke Gegnerschaft bis hin zu Schikane erfährt." (Wikipedia)
Genau das widerfährt den Sportlern derzeit. Und damit werden sie gedemütigt, für etwas, das sie nicht zu vertreten haben. Ulrich Rauscher beschrieb 1914 in seinem "Der brave Bürger"
Ob Euresgleichen auch zu Haufen vor Bajonett und Säbelhieb - Marsch, Marsch! Hopp, Hopp! - Spießruten laufen: Ihr seid doch alle leutnantslieb!
Ihr fühlt nur unter Kolbenstößen Euch wahrhaft wohl im Vaterland. Verdammt, die sich derart entblößen, nachdem sie selber sich entmannt!
Euch werde fernerhin in Gnaden der Säbel übers Hirn gehaut! Ihr seid des Deutschen Reichs Kastraten! Hurrah, du Eisenbraut!
So, genau so müssen sich die Läufer vorkommen, wenn sie von Demonstranten angegriffen und beleidigt werden. Ich maße mir nicht an, über "richtig" und "falsch" zu urteilen. Die schuldigen Verursacher der gesamten Miesere sind aber meines Erachtens schnell ausgemacht. Allerdings sind es nicht die Fackelträger; Sportler, die sich auf diesen Augenblick, ein Teil der Olympischen Idee zu sein, womöglich ein Leben lang gefreut und vorbereitet haben. Nur um dann im Lichte politischer Streitigkeiten um ihre Ehre und Freuede gebracht zu werden.
Das - um es offen zu sagen - empört und enttäuscht mich. Die durchaus berechtigte Kritik der Demonstranten sollte klüger und nicht so primär medienwirksam vorgetragen werden; abgewandt von Feigheit und Narzissmus und vor allem zielgerichtet an diejenigen, die tibetische Schande zu vertreten haben.
Eigentlich wollte ich nicht mehr politisch werden, aber hier sind wir uns doch einig, oder?
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