11.4.2008 - Es besteht Hoffnung
In seinem ungemein interessanten Buch "Straßen der Erinnerung" berichtet Bill Bryson auf unnachahmliche Weise von seinen "Reisen durch das vergessene Amerika". Zugegeben, ganz aktuell ist das Buch nicht; es wurde zu Zeiten Präsident Reagans verfaßt. Aber das macht gar nichts. "Bryson schreibt wie ein Engel. Seine Reportagen können einen Leser süchtig machen", schrieb die FAZ. Stimmt.
Ich könnte dutzende von Stellen zitieren, die mich entweder sehr nachdenklich gemacht haben, oder mich hoffen ließen. Zwischendurch habe ich nur gelacht. "Bill Bryson ist der witzigste Reiseschriftsteller auf Erden" brachte die Times es auf den Punkt und hatte Recht.
Hoffen ließ mich folgende Stelle in Kapitel 15, als Bryson am Columbus Day irgendwo unterwegs war. Wo, ist völlig egal. Jedenfalls wunderte er sich darüber, dass ein Land, in dem der Erfolg vergöttert wird, ausgerechnet Kolumbus zu seinem Helden macht. Er sei immerhin auf ganzer Linie gescheitert:
- Viermal habe sich Kolumbus auf den Weg gemacht, um nach Asien zu reisen, bis er endlich in Amerika ankam.
- In seinem Leben hat er nichts Bedeutendes entdeckt; keine Kartoffeln, keinen Tabak oder Nylonstrümpfe, so wie es andere Forscher taten.
- Alles, was Kolumbus mit nach Hause brachte, waren ein paar verdutzte Indianer, von denen er annahm, es seien Japaner.
- Der bemerkenswerteste Schwachpunkt - so Bryson - sei allerdings, dass er nie einen Fuß auf Land setzte, das später mal zu den Vereinigten Staaten gehören sollte.
Dass aus Kolumbus dann doch noch ein geachteter Held wurde, macht mir persönlich Hoffnung...
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